Archiv | Januar, 2012

„Daheim“ neu definieren

9 Jan

Mein Rückflug fiel etwas happig aus. Mein Koffer hatte drei Kilo Übergewicht. Das war mir bereits vor der Abreise klar. Im Flughafen von Cancun bei der Fluggesellschaft Condor wurde mir aber mein Handgepäck auch gewogen, was mir noch nie passiert ist und mir eine Lehre sein sollte. Zwölf Kilo Übergewicht hatte mein Handgepäck plus Laptoptasche. Summe? Um die 300 saftige Euro. Also bemühte ich mich noch von jeglichem Kleinkram in meinem Koffer zu verabschieden. War also gerade dabei die Sachen in den Müll zu schmeißen, kommen Mexikaner an und machen sich meine Sachen zum Eigen. Also wurde aus meiner Aussortierung von Kleidung, Büchern und Kosmetika zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Am Ende bin ich acht Kilo losgeworden und habe etwas mehr als 100 € gespart. Es war ärgerlich. Viele Touristen werden ausgenommen wegen ihrer Unwissenheit wegen des Handgepäcks. Condor ist sich wohlsten darüber im Klaren dass Touristen selten mit weniger Klamotten zurückfahren als hin. Man bedient sich jeder Mittel um an Geld ranzukommen, es bleibt niemanden erspart.

Mittlerweile bin ich wieder in Deutschland und der Alltag hat mich wieder. Es hat sich vieles geändert, denn nun sitze ich in dem Wohnzimmer eines neues Zuhauses, aber zugleich habe ich gestern eine Wohnung in Holland unterschrieben die zugleich mein neues Zuhause für die nächsten vier Jahre sein soll. In der zweiten Woche von Februar beginnt mein Studium und bis dahin nutze ich noch die Zeit für Freunde und nebenbei anderen Formalien die ich noch erledigen muss, um unnötige Fahrereien von Holland nach Deutschland zu vermeiden.

 

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EXP + 10

2 Jan

Letzter Tag in Mexiko .. oder vorletzter eigentlich, denn bei meinem Heimflug morgen darf ich eine halbe Ewigkeit auf den Weiterflug von Cancun nach Deutschland warten. Was mich theoretisch um einen weiteren Tag in Mexiko bleiben lässt – also vorletzter Tag.

Zunächst aber erst einmal zu den zwei letzten Wochenenden welche in der Natur verbracht wurden. Das Wochenende vor zwei Wochen verbrachte ich mit Alberto, seinem Vater, dessen Bruder und zwei altbekannten in nähe der „La Presa“. Mein drittes Mal in dieser Gegend. Das erste Mal mit Quads durch die Pampa, das zweite Mal die Felsen hochklettern und das dritte Mal nun erneut mit Quads auf eine Ranch und später auch mit einem Schnellboot über den See der La Presa. Tiere blickten sich dort aber nicht und das bepicksen lassen von sämtlicher fieser Flora war für die Katz. Die Gegend war es aber lohnenswert hinzufahren, denn der Ausblick von unserem Lagerplatz war wunderschön.

Lagerplatz

 

 

 

 

 

 

 

Das letzte Wochenende bin ich mit dem Vater und einem erfahrenen Freund in Sachen Jagen nach Chihuahua hoch gefahren. Dort waren wir auch relativ erfolgreich .. also eigentlich nicht genau betrachtet der Anzahl erlegter Beute, weil das kann ich Grünschnabel gar nicht beurteilen. Jedenfalls haben wir ein Stinktier, ein Reh, einen Fuchs (im spanischen „Zorra“) und einen Kojoten erlegt. Der Kojote ging auf meine Kappe. Für mich war dieser erfolgreiche Moment als ich gelernt habe wie mit der Beute umzugehen ist. Etwas kam ich mir vor wie in einem dieser Spiele indem man etwas ausübt und mit EXP (Kürzel für Experience) belohnt wird. Für mich fühlte es sich das so an als ich dem Kojoten seinen Schweif entnommen habe und das Reh gehäutet, ausgenommen und das Fleisch gelernt habe zu konservieren. Vielleicht auch EXP +1 für Willenskraft meines Magens…

Aber diese EXP die ich jetzt mal weiterhin als Erfahrung nennen möchte, lassen sich auch auf meinen halbjährigen Aufenthalt übertragen. Vieles neues habe ich gelernt .. mich durchwanderte kürzlich auch so ein Spruch den ich einmal nachgegoogelt habe weil ich dachte den hätte ich mal gelesen; „Wenn ich etwas gelernt habe, dann ist es dass es immer etwas zu lernen gibt.“. Tatsächlich gibt es diesen Spruch noch gar nicht .. ein Zitat der jetzt künftig mit meinem Namen zitiert wird?? Jedenfalls bedeutet mir dieser Spruch viel. Man lernt jeden Tag ein und aus. Das ist es was mich beim Reisen so antreibt, aus seinem Alltag in seinem eingegrenzten Blickfeld auf die Welt heraus kommen und eine andere Perspektive einholen. Es sind nicht nur politische Dinge die mich beschäftigen, sondern auch jegliche Kleine wie die soziale Gesellschaft und der Trieb der Leute vor Ort. Neben alldem kann man sich auch meine Spanischkenntnisse um einen Sprung nach vorne sehen lassen. Also es ist noch weit weg vom flüssigen Sprechen .. ach es ist jedenfalls besser als das Spanisch das ich zu Beginn meines Aufenthalts hier hatte!!

Dann noch die Weihnachtstage. Also es hat sich herausgestellt dass Weihnachten doch am intensivsten in Deutschland gefeiert wird. Das liegt einfach daran weil nun mal Schnee dazu gehört zum Dezember und keine Plus Grade … nein Scherz .. in Deutschland hat es ja soweit ich weiß auch nur geregnet also ist mein Argument ungültig. Es ähnelt sich schon dem Weihnachtsritual in Deutschland. Man geht in die Kirche, trällert ein paar Weihnachtslieder, isst zu Abend und stürzt sich auf die Bescherung. Man fühlt sich aber immer am wohlsten mit seiner Familie und das macht Weihnachten schließlich aus. Zusammen mit der Familie sein .. und ich weiß das noch sämtliche Jahre mit meiner Familie auf mich warten. Ich habe es mir aber gerne angesehen wie es bei anderen Familien ist.

Ja und Silvester? Komische Tradition, ein Glas voll unfertigem Wein .. also mit Trauben musste in der ersten Minuten des Neujahrs verputzt werden um seinen Entschluss für das neue Jahr bekräftigen zu dürfen. Keine Feuerwerkraketen, aber dafür mit einer Pistole etwas in die Luft knattern. Wegen der hohen Sicherheitsstufe sind die Raketen nicht mehr so beliebt wie früher.

 

 

 

 

 

 

 

Nun weiß ich noch gar nicht ob ich mit diesem Artikel meinen Blog schließen werde? Denke mir aber gerade das es Leute interessieren dürfte wie es mir ergeht wenn ich wieder zurück in den Alltag in Deutschland versuche mich zu integrieren. Deswegen werde ich mein Blog wohl voraussichtlich noch bis Ende Januar führen. Also bis nächstes Wochenende.

PS: Den Artikel hatte ich heute morgen angefangen zu verfassen und bin gerade dabei ihn zu vollenden. Heute ist allerdings noch etwas ereignisreiches passiert. Ich selber war nicht dabei, aber Alberto wurde heute Opfer eines Hijacking. Mit einer Pistole bedroht musste er den Pick-Up seines Vaters übergeben. Ihm geht es gut, aber ein kleiner Schock für die Familie besteht. Etwas was in Torreón nicht fremd ist, ich bin froh nicht davon betroffen gewesen zu sein in meinem halben Jahr.

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